Jaipur

Sonntag, 12.06.2016

Gegen 5.00 Uhr nehme ich mein Taxi in Richtung Delhi Mainstation. Alles fühlt sich so neu und aufregend für mich an, doch meine Müdigkeit hält meine Aufregung ein bisschen im Zaum. Am Bahnhof empfängt mich das typisch indische Chaos. Autos, Tuktuks, Menschen, Gepäckträger und alle wild durcheinander wirbelnd. Ich habe keine Ahnung wie ich das richtige Gleis finden soll, aber sofort sind mir eine Hand voll Inder zur Hilfe. „Madam, do you have ticket? Madam, where do you want to go?“ Alles geht so rasend schnell. Die Massen stürzen an den Obdachlosen vorbei, die auf dem nackten Bahnhofsboden liegen, Babies schlafen ohne Kleidung in den Armen ihrer Mütter und ehe ich realisieren kann was ich da gerade gesehen habe sitze ich auch schon im klimatisierten Zug.

Langsam bewegen sich die 18 Wagons aus der Stadt heraus in Richtung Jaipur. Ich passiere die kilometerweiten Slums von Delhi während mir ein köstliches Frühstück im Zug serviert wird. Ich sehe wie die Menschen ihre Notdurft auf den Schienen verrichten müssen, weil sie nicht einmal eine Toilette oder fließendes Wasser haben. Hunderte Augenpaare verfolgen jeden Tag deren Morgentoilette – für mich unvorstellbar, für sie bittere Realität. Der Knoten in meinem Hals wird immer größer und schließlich habe ich keinen Hunger mehr auf das Frühstück, das mir im Zug serviert wird.

In Jaipur angekommen mache ich mich auf den Weg zu dem Haus meiner Gastfamilie. Die Wohngegend ist sehr ärmlich, im Haus gibt es kaum Möbel, kein Badezimmer, nur ein Loch im Boden draußen auf dem Hof. Es ist so furchtbar heiß, dass mir nichts anderes übrig bleibt als neben dem Ventilator zu liegen und meine ersten Stunden in Jaipur herrlich zu verschlafen. Später weckt mich Sanjay, mein Gastbruder, mit einem frisch gekochten Chai Latte. Er lädt mich auf eine kleine Spritztour auf seinem Motorrad ein. Dank ihm sehe ich schon am ersten Tag viele wundervolle Plätze in Jaipur.

Abends treffen zwei weitere Backpacker, Anna und Ari aus Spanien, im Haus meiner Gastfamilie ein. Wir sitzen auf dem aufgeheizten Dach eines nahe gelegenen Tempels und tauschen uns über tausend Sachen aus. Ich fühle die Unterschiede der verschiedenen Kulturen – was für ein wunderbarer Mischmasch.

 

Montag, 13.06.2016

Circa 8.00 Uhr starte ich mit den beiden Spanierinnen in Richtung Innenstadt. Wir haben Glück, erwischen einen Bus und fahren für nur 10 Rupees, circa 13 Cent, zum City Palace. Unser Frühstück wird draußen auf der Straße gekocht während wir im klimatisieren Gastraum sitzen. Es ist köstlich und von dem Moment an ist Raiti eine meiner indischen Lieblingsspeisen. Wir erkunden die Stadt und die Mädels lernen mir viele Dinge über den indischen Alltag, die sich später als sehr hilfreich erweisen werden. Gegen Nachmittag verabschiede ich mich von Anna und Ari, ihr Weg geht weiter nach Agra. Ich nehme ein Tuktuk zurück zum Haus meiner Gastfamilie, sitze verschwitzt im Fahrtwind, sehe Elefanten die Straße entlang trotten und bin so unendlich glücklich. Ich weiß nicht warum, vielleicht ist es der achterbahnähnliche Verkehr, jedenfalls strahle ich über beide Ohren.

 

Dienstag, 14.06.2016

Zeitig am Morgen fährt mich Sanjay hinauf zum Amber Fort. Ich brauche den halben Tag um die wunderschöne Anlage zu erkunden. Ein paar Mal sitze ich einfach nur so da und beobachte die anderen Touristen im Umgang mit den freundlichen Indern. Ich versuche zu realisieren wo ich bin und was ich mache, aber irgendwie fühlt sich alles nur nach Urlaub an. Vielleicht ist es Urlaub?!

Zurück im Haus meiner Gastfamilie wartet ein leckeres Masala auf mich. Meine Gastmutter hat gekocht. Ich genieße das unglaublich gute Essen und schlafe anschließend wieder vor dem Ventilator ein. Gegen 16.00 Uhr mache ich mich auf den Weg zurück Richtung Delhi. Das Tuktuk rast durch den chaotischen Verkehr, ich muss so herrlich über das Wirrwarr lachen, dass ich meinen Fahrer angesteckt habe. Jetzt lachen wir zusammen und er sagt zu mir: „This is your personal Indian helicopter Madam. Very fast.“ Es fühlt sich an als hätte jemand einen Eimer, gefüllt mit Indien, über mich ausgekippt. Wie kann es sein, dass so viel Unordnung so unendlich glücklich macht?

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3 Kommentare zu „Jaipur

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