Wenn das Reisen keinen Spaß mehr macht 

Ich erinnere mich zurück in Deutschland…es ist warm, ich bin faul, ich will schnell etwas aus dem Auto holen. Um meine Turnschuhe anzuziehen fehlt es entschieden an Elan und dann nehme ich einfach die Nächstbesten: die Schuhe meines Vaters. Kennst du dieses Gefühl, wenn man dann versucht die Treppe mit den viel zu großen Gartenschlappen zu steigen? Irgendwie seltsam, stimmts?! Denn man fühlt sich mit einer alltäglichen Sache, die man sonst ohne nachzudenken meistert, extrem überfordert.

Genau so fühle ich mich bei jeder meiner Bewegungen in den indischen Großstädten.  Bisher kann ich da noch nicht so viele aufzählen außer Delhi, Mumbai und vielleicht noch Amritsar. Dennoch merke ich, wie meine Frustration von Tag zu Tag steigt und ich mich einfach nur zurück in die Berge oder an den Strand von Goa wünsche.

Einigen ist sicher schon aufgefallen, dass der Beitrag von Delhi noch immer gänzlich fehlt, obwohl das mein erster Aufenthaltsort war. Das ist nicht meiner Faulheit geschuldet, sondern den fehlenden Formulierungen in meinem Wortschatz. Noch nie habe ich mich so lebendig und erschöpft zur gleichen Zeit gefühlt. Damals in Delhi war alles noch so aufregend und ich war voller Adrenalin und Energie. Ich habe die Abenteuer mit meinem ganzen Körper aufgesaugt. Aber nach mehr als einem Monat Reisen, Leben aus dem Rucksack, ständig fremden und wechselnden Schlafplätzen bin ich geschafft.

Delhi. Ich bin noch sehr unerfahren. Vor Allem habe ich Respekt, sogar vor dem Kauf einer doofen Wasserflasche am Kiosk. Ich will nichts verpassen und quäle mich sogar in der Mittagshitze raus um Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Resultat: Ich bin dehydriert, unterzuckert, bekomme eine Urininfektion und liege drei Tage mit Fieber und Schüttelfrost im Bett.

Amritsar. Die Hitze und der Lärm schlagen mir nach zwei Wochen in den kühlen und ruhigen Bergen – buchstäblich – voll in die Fresse. Ich hab vergessen wie unglaublich heiß und nervig Indien sein kann. Abends laufe ich nach Hause, es ist bereits dunkel, ein Typ fährt mit dem Motorrad vorbei und klatscht mir volle Lotte auf meinen Arsch. Ich kann gar nicht sagen wie erschrocken ich war. Den restlichen Weg nach Hause renne ich vor Angst. Doch noch lange nicht genug. Wir genießen Abends gemütlich ein paar Drinks mit unseren Hosts Sahil und Mamta von Couchsurfing. Allein mit Sahil auf dem Balkon bei einer gemütlichen Zigarette kann ich das Unglück gar nicht so schnell abwenden wie es auf mich einbricht. Er hat mich fest im Griff, küsst mich und greift nach meinen Brüsten. Es kostet mich viel Zeit und Kraft um mich aus der Umklammerung zu winden.

Mumbai. Neue Stadt – neues Glück. Jedoch nicht für mich. Jede Sehenswürdigkeit entpuppt sich als ein klarer Flop. Das Elend auf den Straßen, Menschen ohne Arme und Beine, Babies ohne Kleidung und Ausschlag auf dem ganzen Körper. Ich sehe das nicht zum ersten Mal, aber dieses Mal trifft es mich wie ein Schlag in die Magengrube. Mir ist kotzübel. Dazu mischt sich der Gestank auf den Straßen. Ich fühle mich als wollte ich aufstehen, doch irgendwas drückt mich nach unten.

Doch genug mit dem Klagelied. Ihr wollt Lösungen? Hier sind sie:

  • Wenn du einen schlechten Moment erlebst, ich meine hier im Besonderen den Anblick von Elend und Dreck, begib dich an deinen Lieblingsort. Besuche das klimatisierte Starbucks um die Ecke, lese ein wunderbares Buch oder flüchte dich einfach erstmal in ein Taxi, das dich weg bringt. Wichtig ist nur, die Gedanken ganz schnell loszulassen.
  • Bei Gastronomie (Starbucks) fällt mir gleich noch etwas ein. Gönne dir ein nobles westliches Gericht. Ich hab letztens 16€ für Pasta und Limonade bezahlt. So viel gebe ich sonst in drei Tagen für Essen aus. Aber es war geil! Mein Magen hat sich über bekannte Gesichter gefreut und eine saubere Toilette gibt es bei der Preislage in Indien auch dazu. 😉
  • Personen respektieren deine Privatsphäre nicht? Rede, argumentiere oder schreie wenn nötig. Wachse aus dir heraus und pack die Ellenbogen aus. Nicht immer müssen wir Westler uns an die fremde Kultur anpassen. In vielen Dingen können auch die anderen von uns lernen. Frauen zu begrabschen ist so Mittelalter Leute!
  • Geh mal zur Maniküre und Pediküre! Die Jungs hatten ganz schön was zu tun bei mir. Hihi 🙂 Ich hab jetzt nicht nach dem günstigen Preis Ausschau gehalten. Einfach reinspaziert in die Mall, 20€ auf den Tisch geknallt und volle Kanne genossen. Oh yeah! Das hat gut getan. Und mit dem rosa Nagellack der jetzt meine Hände und Füße ziert fühle ich mich auch wieder wie eine Frau und nicht mehr wie ein Packesel, dessen einzige Aufgabe ist, einen viel zu schweren Backpack zu schleppen.
  • Benutze mehr Taxen (uber & ola) als öffentliche Verkehrsmittel. Das war meine persönliche Schutzinsel in Mumbai. Rein ins Aquarium und von hier das Chaos auf der Straße beobachten. Genial sage ich dir!
  • Chill mal bisschen rum! Schaue Filme oder Serien. Draußen verpasst du ganz sicher nichts besonderes. Man kann nicht immer super aktiv sein. Passiv ist auch mal okay. Das habe ich eine Woche lang in Goa gemacht und es hat mir meine Energie zurück gebracht. Ablachsen? Oh yeahhh!
  • Halte Kontakt mit zu Hause! Ich weiß, ich vermisse auch alle ganz schrecklich. Aber niemand sonst kann dir so viel Mut zusprechen wie deine Herzensmenschen. Ein ganz großes Danke geht an dieser Stelle an Mama, Papa, Rebecca, Patricia, Peggy und die ganzen anderen lieben Mäuse nach Deutschland. Ich liebe und vermisse euch.
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Das ist mein Lieblingsplatz in der Naehe von Mumbai. Der Junge auf dem Bild muss jeden Tag eine Stunde zur Schule und auch wieder zurueck laufen.
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In jeder Kirche fuehle ich mich heimisch. Irgendwie bringen sie mir ein kleines Stuecken Europa, Ruhe und System in meine verrueckte indische Welt. Manchmal sitze ich einfach fuer eine Weile und geniesse die Stille.
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Das ist mein bereits erwaehntes 16 Euro Essen. Jeder Cent hat sich gelohnt. Danach bleibe ich oft noch ein bisschen sitzen, lese Buch und plane meinen restlichen Tag. In ruhigem Ambiente kann ich das besser als in einem typisch indischen Restaurant.
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Nun ja…ich denke die Freude ueber ein Hotel steht mir im Gesicht geschrieben. Manchmal muss man sich auch etwas Luxus goennen. Immer nur Couchsurfing wird anstrengend.
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Das ist Aurimas. Er ist innerhalb von zwei Jahren von Litauen nach China getrampt. Die Energie anderer Reisenden kann ansteckend sein. Erfahrungen austauschen macht Spass und manchmal springen gute Tipps fuer neue Reiseziele dabei raus.
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